Burg-Gymnasium
Bad Bentheim

Die Jahrgangstufe 12 in der KZ-Gedenkstätte Esterwegen - Drei Schülerberichte

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Am 30.01.2018 war es so weit, wir, die Stufe 12, besuchten die Gedenkstätte Esterwegen in der gleichnamigen Gemeinde im Nordhümmling. Sie erinnert an insgesamt 15 Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager, die im Emsland und auch in der Grafschaft bestanden. Die Gedenkstätte umfasst eine Dauerausstellung, einige Seminarräume, eine Cafeteria und den Außenbereich.


Der erste Eindruck der Gedenkstätte bedrückte direkt die gesamte Stufe. Das Gefühl, dass Kriegsgefangene genau dort gestanden hatten oder geflohen waren, wo wir nun standen, kann man nicht in Worte fassen. Nachdem wir freundlich empfangen wurden, wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. In zwei verschiedenen Seminarräumen hörten wir eine Präsentation über die Geschichte des Konzentrationslagers. Sowohl der Krieg und die Umstände zu der Zeit, als auch die Entstehung der Gedenkstätte wurden ausführlich erläutert.


Beide Gruppen durften danach eine kurze Pause machen und das Gehörte verarbeiten oder mit Mitschülern besprechen.


Weiter ging es für unsere Gruppe mit dem Außenbereich. Wir bekamen einige Leifragen, bei denen es hautsächlich um die Gestaltung des Geländes ging. Auffällig war direkt, dass die Baracken von damals nicht wieder aufgebaut wurden, sondern durch Buchsbäume ersetzt wurden. Auch die Tore und Zäune von damals wurden lediglich durch Stahlplatten angedeutet. Während wir über die ehemalige Lagerstraße, welche jedoch nicht mehr komplett aus der damaligen Zeit ist, gingen, wurde jedem klar, dass wir nun da stehen, wo damals die Gefangenen liefen.

 

Nach einer Mittagspause ging unsere Gruppe in das neben der Gedenkstätte liegende Kloster. Dort wurden wir von einem Theologen und einer der drei Schwestern, die dort wohnen, erwartet. Während wir durch die drei Räume gingen,   gab es immer wieder interessante Momente. Zum einen wurde viel über das bereits bekannte „Lied der Moorsoldaten", welches in der letzten Strophe die Kampfansage und Hoffnung verkörpert, gesprochen. Zum anderen gab es aber auch einige Momente, in denen keiner etwas zu sagen hatte. Das, was wir aus diesem kurzen Besuch mitgenommen haben war, dass wir mit unseren Wunden leben müssen und auch können. Jeder lernt mit seinem Schmerz umzugehen und trotz der Wunde weiterzuleben.

 

 

 

 

 

Danach ging es wieder in die Seminarräume. Dort besprachen wir die vorherigen Leitfragen. Die Gestaltung wurde explizit so gewählt, wurde uns erklärt, da man nur durch das Wiederaufbauen nicht das Gefühl und die Atmosphäre der Baracken zeigen könnte. Es wären neue Baracken ohne Tiere, Krankheiten und Angst. Durch diese Gestaltungsart überlässt man dem Betrachter selbst, wie er sich die damaligen Verhältnisse vorstellt.

 


Nun ging es in die Dauerausstellung. Dort bekamen wir zu den vorherigen Geschichten Gesichter. Alle gingen interessiert aber auch betroffen durch die Ausstellung. Wir konnten uns Zitate und auch Kurzfilme mit Überlebenden angucken. Teilweise gab es sogar noch Töpfe, Baracken-und Mauerreste aus der damaligen Zeit.


Das war jedoch auch schon die letzte Station unseres Tagesausfluges. Wir bedankten uns bei den Leitern des Besuches und verabschiedeten uns mit vielen neuen Eindrücken und Informationen rund um den zweiten Weltkrieg. Insgesamt war es sehr informativer, aufregender und emotionaler Tag, der uns allen bestimmt lange in der Erinnerung bleiben wird.

(Zoe Cziommer)

 

 

Exkursion Esterwegen – Bericht

Am Dienstag, den 30.01.2018 besuchten wir, die Stufe 12 des Burg-Gymnasiums Bad Bentheim, anlehnend an das Thema Holocaust und seine Folgen, das bereits in den Fächern Geschichte und Religion behandelt wurde, die Gedenkstätte Esterwegen. In Esterwegen befindet sich eins der Emslandlager, in denen zwischen 1933 und 1945 KZ-Häftlinge und Straf- oder Kriegsgefangene schwere Zwangsarbeit leisten mussten. Die Gedenkstätte ist heute ein Ort, der an alle 15 Emslandlager und ihre Opfer erinnert. Sie setzt ein Zeichen gegen Diktatur, Gewaltpolitik und Terror, gegen Nationalismus und Rassismus.

Unsere Exkursion begann mit der Ankunft um 9.30 Uhr im Ausstellungsbereich der Gedenkstätte, wo wir vor ab in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Zu Beginn erhielten wir einen Vortrag über die einzelnen Lager und die Geschichte des Lagers Esterwegen, das im Jahre 1933 als eines der ersten Konzentrationslager errichtet wurde und als Doppellager für ca. 2000 Häftlinge, vor allen Dingen politische Häftlinge, fungierte. 1934 wurde das Konzentrationslager Esterwegen wieder der SS unterstellt, woraufhin das Lager in einen Häftlings- und einen Wachmannschaftsbereich geteilt und mit einer 2,50 Meter hohen weißen Außenmauer versehen wurde. Im Frühjahr 1936 fiel für das Konzentrationslager Esterwegen die Entscheidung, es zum 23.09.1936 aufzulösen und die Gefangenen nach Oranienburg bei Berlin zu verlegen, wo sie beim Aufbau des neuen Konzentrationslagers Sachsenhausen eingesetzt werden sollten. Ab Januar 1937 übernahm dann das Reichsjustizministerium das Lager. Als „Strafgefangenenlager VII" wurde es in die schließlich 15 Gefangenenlager im Emsland unter SA-Bewachung eingegliedert. Nördlich angrenzend befanden sich Sportanlagen wie beispielsweise ein Schwimmbad, wodurch das Lager für die Anwohner in einem positiven Licht erscheinen sollte. Dieser Effekt wurde zum einen durch die schönen Parkanlagen im Bereich der Wachmannschaften, sowie zum anderen durch den wirtschaftlichen Aufschwung, den das Emsland durch das Lager erhielt, verstärkt. Dieser Aufschwung gründete sich sowohl auf der Lebensmittellieferung von örtlichen Bauern und Bäckereien, als auch auf der Schaffung von Arbeitsplätzen unter anderem aufgrund des benötigten Wachpersonals. Außerdem mussten die inhaftierten Häftlinge das Moorgebiet urbar machen, worauf sich später neue Siedlungen errichten ließen.


Als gewaltlosen Widerstand entwickelten sie das „Lied der Moorsoldaten", das, obwohl es in Deutschland verboten wurde, oft gesungen wurde und sich zu einem wichtigen Kulturbestandteil entwickelte.

Nach dem Vortrag über das Lager Esterwegen, konnten wir die Dauerausstellung besichtigen, in der die Lager und Einzelschicksale vorgestellt wurden. Zudem befand sich dort eine Nebenausstellung, die sich mit der Nachgeschichte der Emslandlager befasste. Erneut gruppenteilig wurden uns durch verschiedene Arbeitsaufträge einzelne Biographien und Schicksale näher gebracht, bevor wir vor einer einstündigen Mittagspause das anliegende Kloster besichtigten.

Auch das Kloster soll an die Zeit der Emslandlager erinnern und verschiedenen Leuten dabei helfen, ihren Frieden mit Esterwegen und den dazugehörigen Verbrechen zu machen. Um dies auf symbolische Art und Weise zu ermöglichen, wurde das Kloster in drei Räume aufgeteilt. In dem ersten Raum, „dem Raum der Begrüßung/Raum der Geschichte", ist das Moorsoldatenlied an die Wand geschrieben, vor der zur Verdeutlichung der Standhaftigkeit der Inhaftierten Steinblöcke aufgestellt sind, auf denen Kerzen angezündet werden können. Den zweiten Raum bildet der „Raum der Sprachlosigkeit", der relativ dunkel und mit einzelnen Symbole gestaltet ist. So sollen beispielsweise eine hölzerne Nachbildung einer Lore, mit der die Gefangenen den Torf ins Lager bringen mussten, und ein Schienendrehkreuz zum Nach- sowie Andenken anregen. Den Weg zum letzten Raum, der kleinen Kapelle, kann man nun im theoretischen Sinne mit dieser Lore bestreiten, die sich folglich in dieser Kapelle zu einem Altar, also von einem schlechten in ein gutes Symbol wandelt. Diese Kapelle dient vorrangig dazu, Frieden mit Esterwegen zu schließen und den Verstorbenen zu gedenken.


Die letzte Station unserer Besichtigung bildete das Außengelände. Auf Grund dessen, dass das Lager nach dem Krieg zunächst als Gefangenenlager für Kriegsverbrecher, später dann als Flüchtlingsunterkunft für Flüchtlinge aus den verlorenen Ostgebieten des deutschen Reiches und als Bundeswehrdepot genutzt wurde und erst 2011 die Gedenkstätte entstand, konnte das ehemalige Lager nur symbolisch angedeutet und künstlerisch aufbereitet werden. Die Gärten des Wachmannschaftsbereiches, waren wohl das Einzige, was aus der damaligen Zeit erhalten werden konnten. Um zu ihnen einen Kontrast zu schaffen, wurde der Häftlingsbereich mit rotem Lavagestein ausgestattet. Tore und Mauern wurden mit rotem Stahl angedeutet und Informationstafeln deuteten auf Ausgrabungsstellen und gaben Erläuterungen zu den ehemaligen Gebäuden und ihrer Verwendung. Die einzelnen Baracken der Häftlinge wurden durch eng aneinander gepflanzte Bäume, die quadratisch angeordnet waren, metaphorisch dargestellt. Dabei wurden die Bäume bewusst eng aneinander gepflanzt, da ihre Überlebenschancen somit sinken und eine Parallele zum Leben der Häftlinge ziehen, die zu 100 auf engstem Raum leben mussten.

In einem abschließenden Reflexionsgespräch stieß diese metaphorische Gestaltung jedoch auf Kritik, da es unserer Generation schwer fiel, sich das Lager und den Schrecken, der dort vorherrschte, vorzustellen. Da es uns sofort einleuchtete, dass man ein Arbeitslager nicht einfach nachbauen könne, äußerten wir den Vorschlag, eine einzige Baracke nachzustellen, um sich das Leben darin besser vorstellen zu können. Die Problematik bestehe hierbei aber darin, wie uns erklärt wurde, dass es unmöglich ist, eine originale Baracke zu rekonstruieren, da sie schon allein nach neuem Holz riechen und sauber sein würde.

Insgesamt bot die Gedenkstätte eine interessante und ehrfürchtige Darstellung der Grausamkeiten, sowie einen Einblick in die einzelnen Schicksale während der Zeit der Emslandlager, obwohl eine genaue Vorstellung über das Aussehen des Lagers und das Leben in ihm sehr schwierig war.

(Wiebke Siecke)

 

Esterwegen – ein Ort voller Erinnerungen


Ein paar Bäume, ein paar Steine, eine Wiese – Das entsprach wohl nicht der Vorstellung der meisten Schüler, als es hieß, am 30.01.18 besucht die Stufe 12 das ehemalige Konzentrationslager in Esterwegen. Dass es sich um eine Gedenkstätte handelt, war sicherlich jedem klar, doch trotzdem mussten einige bei unserer Ankunft in Esterwegen um 9:30Uhr enttäuscht feststellen, dass sie nach 1,5 Stunden Busfahrt keine nachgebauten Baracken erwarten werden.


Dennoch machten wir uns dann auf den Weg in das nebenstehende Ausstellungsgebäude, wo uns auch schon unsere (Museums-)Führerin erwartete. Die Gruppe wurde geteilt und wir begannen den Tag mit einer Lichtbildpräsentation über die Geschichte des Arbeitslagers in Esterwegen. Hierbei erfuhren wird, dass das Lager in Esterwegen 1933 als eines der ersten Konzentrationslager und der 14 Emslandlager gegründet wurde. Es diente hauptsachlich als Straflager für politische Häftlinge, die in „Schutzhaft" genommen wurden. Ab 1934 stand es dann unter Leitung der SS, welche das Wachmannschaftslager ausbauten und angrenzend Sportanlagen, sowie ein Schwimmbad mit Sprungturm errichteten.

Nun wurde uns Schülern auch klar, weshalb so viele Menschen die Konzentrationslager widerstandslos duldeten, denn neben den wirtschaftlichen Vorteilen, zu welchen zum Beispiel der Verkauf von Nahrung etc. an das Konzentrationslager zählten, erweiterte die Errichtung eines Konzentrationslagers mit angrenzendem Sportbereich auch das, oft schmale, kulturelle Angebot im dünn besiedelten Emsland. Zudem war es ja Aufgabe der Gefangenen, das Moor trocken zu legen und den Torf abzustechen. So entstanden neue Ackerbau-, sowie auch Wohnflächen.

Hier liegt zudem auch der Ursprung des heute bekannten Liedes „Moorsoldaten", welches in den Emslandlagern als eine Art Protestlied entstand und von den Häftlingen, teilweise sogar trotz Verbot, gesungen wurde.


Nach diesem Vortrag bekamen wir dann die Möglichkeit, selbst etwas zu erarbeiten. In Kleingruppen aufgeteilt bekamen wir eine Person zugeteilt, zu welcher wir dann Arbeitszettel erhielten. Anhand dieser Arbeitszettel wurden wir durch die Ausstellung, welche die persönlichen Schicksale vieler Häftlinge nacherzählt, geführt. So entdeckten wir zum Beispiel auch, dass sich unter den Häftlingen in Esterwegen einige bekannte Persönlichkeiten finden lassen, wie zum Beispiel Carl von Ossietzky, der1936 rückwirkend den Friedensnobelpreis für das Jahr 1935 erhielt.


Im Anschluss besuchten wir dann das zur Gedenkstätte gehörende Kloster, in welchem 3 Nonnen leben. Hier wurden wir zunächst in den Raum der Geschichte geführt, welcher eigentlich nicht mehr war als ein kleiner Raum, an dessen Wand der Text des Moorsoldatenliedes geschrieben ist. Danach folgte der Raum der Sprachlosigkeit. Nachdem wir, dem Namen des Raumes entsprechend, eine Weile geschwiegen und die Atmosphäre auf uns wirken lassen hatten, wurde uns erklärt, dass in diesem, sowie auch in allen Räumen des Klosters, bewusst nur wenige Symbole eingesetzt wurden. So bliebe Interpretationsspielraum vorhanden und jeder könne die Räume mit seinen persönlichen Erfahrungen füllen. Als letzten Raum besichtigten wir dann die kleine Kapelle, welche gerade einmal Sitzplätze für 4 Leute bot.


Nachdem wir dann eine Mittagspause gemacht hatten, ging es gestärkt an das Vergleichen bzw. Zusammentragen der Ergebnisse der Arbeitsblätter. So konnten wir die Schicksale von ganz unterschiedlichen Menschen erfahren, welche in Esterwegen leiden mussten.

Im Anschluss bekamen wir dann die Möglichkeit, das Gelände zu besichtigen. Dieses ist in zwei Bereiche aufgeteilt, zum einen den Bereich der Häftlinge, welcher komplett mit Lavagesteinen beschüttet wurde und zum anderen den Bereich der Wachmannschaft, welcher als grüne Wiese belassen wurde. Das gesamte Gelände ist umzäunt und teilweise werden Tore und Türme durch hohe Stahlwände angedeutet. Dort, wo früher die Unterkünfte der Häftlinge, also die Baracken standen, wurden dicht mit Bäumen bepflanzte Beete angelegt. So wird nicht nur heute noch die Stelle markiert, an welcher sich früher die Baracke befand, sondern auch die Enge und der Kampf um das Überleben werden symbolisch durch die Bäume widergespiegelt.


Zum Abschluss trafen wir nach der Erkundung des Geländes noch einmal zusammen und sprachen darüber, was wir eventuell noch verändernd würden. Hier tauchte dann auch wieder der anfängliche Wunsch auf, doch eine Baracke nach zu bauen, um real und fassbar zu machen, wie die Häftlinge wirklich leben mussten. Gelobt wurde der eindrückliche Unterschied zwischen Häftlings- und Wachmannschaftsbereich, welcher durch die dunklen Vulkansteine so deutlich hervortritt.


Und so konnten wir, trotz anfänglicher Enttäuschung, doch ein Bild gewinnen, wie so ein Arbeitslager damals aufgebaut war. Jedem wurde klar, dass es leider nicht möglich ist, einfach so nochmal so ein Lager zu errichten, nur weil es interessanter an zu gucken wäre. Trotzdem verbrachten wir einen eindrucksvollen Tag in Esterwegen, durch welchen wir es jetzt sicherlich leichter haben uns vorzustellen, wie es wohl damals ausgesehen haben könnte.

(Friederike Körner)

(Zoe Cziommer, Wiebke Siecke , Friederike Körner)